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Chronik und großformatige Bilder in einer Dauerausstellung zum 100-jährigen Jubiläum des ehemaligen Volksschulgebäudes 

WIESEDE – Ein großes Ereignis wirft seine Schatten voraus: Das ehemalige Volksschulgebäude in Wiesede feiert seinen 100. Geburtstag. Aus diesem Anlass stellte die Autorin Christa Herzog am vergangenen Donnerstag ihr neues Buch vor.

„Am 17. Oktober vor genau einhundert Jahren fand die Einweihungsfeier der damaligen Schule statt. Und das bei wesentlich besserem Wetter als heute,“ so die Autorin. In der Tageszeitung konnte man damals lesen: „Die Einweihung unserer neuen Schule geschah am 17. Oktober bei schönstem Wetter und leuchtendem Sonnenschein.“

Christa Herzog (v.l.) liest aus einer alten Schulchronik ihres Schwiegervaters Friedrich Herzog. Rechts im Bild Friedeburgs stellvertretender Bürgermeister Hermann Behrends | Bild © Martina Gerdes

Christa Herzog (v.l.) liest aus einer alten Schulchronik ihres Schwiegervaters Friedrich Herzog. Rechts im Bild Friedeburgs stellvertretender Bürgermeister Hermann Behrends | Bild © Martina Gerdes

Zwei Jahre konzentrierte Arbeit hat die Autorin dem Buch über die dreihundertjährige Schul- und Ortsgeschichte gewidmet. Auf der Grundlage von alten Schulchroniken, Dokumenten von Wieseder Bürgern, Fotos, Niederschriften ihres Schwiegervaters Friedrich August Herzog und Zeitzeugenberichten konnte eine umfassende Dokumentation erstellt werden. Günter Peters vom der Dorfgemeinschaft Wiesede nimmt auch weiterhin gerne alte Dokumente und Fotos an, um sie zu digitalisieren und für die Nachwelt zu erhalten.

Interessante Details finden sich in der Chronik zum großen Geburtstag der heutigen Kapelle. Durch steigende Schülerzahlen musste 1913 ein Gebäude mit zwei Klassen errichtet werden. Die Kosten für den Bau der Schule und deren Einrichtung beliefen sich gerade einmal auf 17.000 Mark. (Im Gegensatz dazu kostete 1961 der Neubau der Schule am Preefelder Weg etwa 435.000 DM.) Da die alte Schule nur aus einer Klasse bestand, musste nun auch ein zweiter Lehrer eingestellt werden. Somit kam Friedrich August Herzog 1913 von Osnabrück mit der Pferdekutsche nach Wiesede gereist, um dort seinen Dienst anzutreten. In diesem Jahr waren 105 Schulkinder in der Wieseder Volksschule. In den folgenden Jahren erhöhten sich die Schülerzahlen ebenfalls, so konnte man 1944 145 Schüler, 1949 203 Schüler und 1950 192 Schüler registrieren.

Die Autorin Christa Herzog (r.) stellte zusammen mit dem Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft Günter Peters(l.) das Buch „Von der Lernstube zum Schulhaus“ vor| Bild © Martina Gerdes

Die Autorin Christa Herzog (r.) stellte zusammen mit dem Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft Günter Peters (l.) das Buch „Von der Lernstube zum Schulhaus“ vor| Bild © Martina Gerdes

600 Exemplare der Ostfriesischen Dorf- und Schulgeschichte kamen vor wenigen Tagen frisch aus der Druckerpresse. Ein Buch in dem man immer wieder blättern und schmökern kann. Die Herausgeberin aber auch die Mitglieder der Dorfgemeinschaft Wiesede-Upschört, die Kirchengemeinde Reepsholt sowie das Team der Grundschule Wiesede sind sichtlich stolz, das Buch nun in den Händen zu halten. Das rund 300 Seiten lange Werk, mit annähernd 200 Fotos und Skizzen, war eine Puzzlearbeit, die ohne die Mithilfe jedes einzelnen noch lange nicht fertiggestellt wäre.
Den Druck übernahm die Print Media GmbH aus Wiesmoor. Finanziell unterstützt wurde das etwa 10.000 Euro teure Projekt von zahlreichen Sponsoren. „Den größten Anteil leistete die kleinste Bank“, so Günter Peters. „Die Raiffeisenbank Wiesedermeer-Wiesede-Marcardsmoor eG spendete uns 3000 Euro, die Gemeinde unterstützte uns mit 2.500 Euro. Weitere Spenden erhielten wir von zahlreichen Sponsoren. Dafür herzlichen Dank.“

Fotoausstellung zur Schulgeschichte
Bis zum vergangenen Mittwoch erinnerte nichts mehr daran, dass in der Kapelle bis 1961 eine Schule war. Das sollte sich aber nun ändern.

Günter Peters hatte die Idee einer Bilderausstellung. Schnell hatte sich ein Arbeitskreis gegründet, der in den vergangenen sechs Monaten viele Fotos und Dokumente sammelte. In der gegenüberliegenden „Alten Schmiede“ konnte man regelmäßig Sabine Muhrhaupt, Irmtraud Carls, Karin Schuhmacher, Elisabeth Lammers und Annemarie Henkel dabei beobachten wie sie alte Schulfotos sichteten, sortierten und rahmten. Auch Christa Herzog und Günter Peters unterstützten den Arbeitskreis. Und was dabei herausgekommen ist, das kann sich sehen lassen. Eine ganze Wand in der heutigen Kapelle ist komplett bebildert. Viele Fotos mussten noch aufbereitet werden. Anschließend wurde alles schön gerahmt und von der Seniorengruppe aufgehängt. Die Senioren kamen mit Zollstock, Wasserwaage, Hammer und Nägel. Am Anfang waren sie sich gar nicht so einig, wo welche Bilder hängen sollten. Aber am Ende hat doch alles gut geklappt.

Ein Blick in die Vergangenheit. 100 Jahre Schulgeschichte begeisterte ehemalige Schüler und Gäste | Bild © Martina Gerdes

Ein Blick in die Vergangenheit. 100 Jahre Schulgeschichte begeisterte ehemalige Schüler und Gäste | Bild © Martina Gerdes

Und so konnten die Besucherinnen und Besucher am vergangenen Donnerstag einen Ausflug in die eigene Kindheits- oder Familiengeschichte unternehmen. „Die Ausstellung wird nicht nur im Jubiläumsjahr an die alte Volksschule erinnern, sondern auch darüber hinaus für viele Jahre bestehen bleiben“, verrät Peters.

Zum Jubiläumsbeginn am vergangenen Donnerstag konnten die Gäste die eigene Schulgeschichte einmal hautnah erleben | Bild © Martina Gerdes

Zum Jubiläumsbeginn am vergangenen Donnerstag konnten die Gäste die eigene Schulgeschichte einmal hautnah erleben | Bild © Martina Gerdes

Jubiläumsfeierlichkeiten
Am heutigen Sonnabend findet ab 15.00 Uhr das große Klassentreffen mit etwa 120 Teilnehmern in der Gaststätte „Zum Weißen Roß“ statt.

Nach dem Gottesdienst mit Landessuperintendent Dr. Klahr, am Sonntag um 14 Uhr, geht es in einem gemeinsamen Fußmarsch zur Grundschule am Preefelder Weg. Ab 15 Uhr lädt die Grundschule zu einem „Tag der offenen Tür“ ein und eröffnet die Ausstellung „Schule früher“.
In der Cafeteria wird für die Gäste Kaffee und Kuchen angeboten.

Der Buchverkauf sowie die Abholung der vorbestellten Bücher ist an allen Tagen möglich.

Erschienen im Anzeiger für Harlingerland / 19.10.2013
Autor: Martina Gerdes

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