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Nordwestdeutsches Schulmuseum in Bohlenbergerfeld erhält neues Ausstellungsstück aus Privatbesitz
Als der Rohrstock noch auf dem Lehrerpult lag_Schneider w

BOHLENBERGERFELD/MAG – Es ist das älteste, eigenständige Schulmuseum in Deutschland – das Schulmuseum in Zetel-Bohlenbergerfeld. Um zu verhindern, dass nach der Schließung der vielen kleinen Landschulen in den 70 er Jahren die Schuleinrichtungen und alte Lehr- und Lernmittel verloren gingen, wurde 1978 von Ursel und Bodo Wacker ein Schulmuseum in der ehemaligen Volksschule Bohlenbergerfeld eröffnet.

© by Tina G.

© by Tina G.

Einer der Räume ist eingerichtet wie eine Schulklasse um 1910. Wenn man diesen Raum über die knarrenden Holzdielen betritt, fällt einem sofort das leicht erhöhte Lehrerpult mit dem Rohrstock auf, von dem aus der Lehrer jeden Schabernack sehen konnte. Im Klassenzimmer stehen eine alte Nähmaschine für den Handarbeitsunterricht, ein alter Ofen sowie ein große Schiefertafel. Auf den Bänken saßen die Kinder damals dicht aneinander gedrängt. Schiefertafeln, Schwämme und Tafellappen, aber auch alte Schulbücher und Hefte erinnern die Besucher heute an die vergangen Zeiten.

Und nun ist das Schulmuseum um eine Attraktion reicher: Jutta Morgenthaler und ihre Schwester Susanne Hörmann übergaben in der vergangenen Woche ein altes Lehrerpult an Museumsleiterin Prof. Dr. Antje Sander sowie Museumsassistentin Elke Schneider.

Dieses neue Ausstellungsstück befand sich von 1913 bis zur Schulschließung in der Volksschule Moorhausen. Die Mutter von Jutta Morgenthaler und Susanne Hörmann, beide ehemalige Schülerinnen der Volksschule, war damals Hausmeisterin in der Schule und konnte nach deren Auflösung das Pult mit nach Hause nehmen. Dort stand es dann viele Jahre auf dem Dachboden. Anschließend nutzen die beiden Geschwister den Katheder, um ihre Schulsachen darin aufzubewahren und daran „Schule zu spielen“, berichtete eine der Schwestern. Als Jutta Morgenthaler aber später zu Hause auszog, nahm sie „das gute Stück“ einfach mit. Es begleitete sie später bei ihren Umzügen nach Nürtingen und Wittenberg. „Mein Schreibtisch ist immer mitgezogen, bis ich ihn vor etwa 20 Jahren wieder zurück nach Friesland gebracht habe.“

Freuen sich, das das 101 Jahre alte Lehrerpult einen neuen Standort gefunden hat: Erich und Inge Rohrmann (v.l.), sowie Jutta Morgenthaler und Schwester Susanne Hörmann.   Foto © by Tina G.

Freuen sich, das das 101 Jahre alte Lehrerpult einen neuen Standort gefunden hat: Erich und Inge Rohrmann (v.l.), sowie Jutta Morgenthaler und Schwester Susanne Hörmann. Foto © by Tina G.

Das 101 Jahre alte Lehrerpult ist auch heute noch voll funktionstüchtig. Die beiden vorderen Türen lassen sich komplett öffnen. Damals sollen dort wohl die Klassenbücher aufgehoben worden sein. Nach der Frage, ob es etwas Besonderes an dem Katheder gäbe, erzählten die beiden Schwestern von den vielen Kerben und Kratzern, sowie auch von der aufklappbaren Pultplatte, die als Tafel genutzt wurde.

Das das historische Ausstellungsstück viele Gebrauchsspuren hat, stört die Museumsleiterin nicht: „Wir nehmen diese Stücke gerne unrestauriert“, so Sander. „Denn diese Spuren erzählen ihre eigene Geschichte.“ Und dass es die Schulgeschichte der Volksschule in Moorhausen gleich noch dazu gibt, das begeistern Museumsleiterin und Museumsassistentin gleichermaßen. Denn Inge und Erich Rohrmann aus Dangastermoor haben anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Volksschule eine Chronik mit vielen Klassenfotos, Zeitungsausschnitten und Fotos von Schulausflügen und sonstigen Schulbildern erstellt. Die Chronik ist käuflich zu erwerben und wird zusammen mit dem Exponat im Schulmuseum zu sehen sein.
Erschienen im Friesländer Boten/Jeversches Wochenblatt – Martina Gerdes

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